klangstaetten | stadtklaenge: Konsumverein
Friedrich-Wilhelm-Platz

Der Friedrich-Wilhelm-Platz ist ein belebter und lauter Ort auf dem Weg der klangstaetten | stadtklaenge 2017. Hier vor dem Alten Bahnhof, dem früheren Eingangstor der Stadt, kreuzen Straßenbahnlinien, Busse, Einkaufstouren beginnen und getrunken wird hier zwischen Puff und Bankplatz. Heute ist er zur Fußgängerzone umgestaltet und will dennoch nicht so ganz Aufenthaltsort werden. Er ist Platz verschiedener Veranstaltungen und Platz des Kultviertels, das sich die Diversität der Umgebung zum Markenzeichen gemacht hat.

Nach Einführung der Eisenbahn wurde der Platz Ende des 19. Jahrhunderts mit Ausrichtung auf den damals schon zweiten Bahnhof angelegt. Als südlicher Eingang der Stadt wurde er mit Hotel-, Banken- und Geschäftshäusern bebaut. Von hier, unmittelbar neben der Bruchstraße mit dem „ältesten Gewerbe der Welt“, folgten die weltstädtischen Besucher_innen der repräsentativen Friedrich-Wilhelm-Straße zwischen Bahnhof und neuem Regierungsviertel an Burg und Dom.

Mit der Zerstörung des Bahnhofs und dem entsprechenden Neubau außerhalb der Stadt verlor der Platz seine ursprüngliche Bedeutung. Zur neuen Identität tragen unterschiedliche städtische Maßnahmen ebenso bei wie zukünftig ein traditionelles Hotel und die Belebung der Villa von Amsberg.

Der Stillekompass von Ulla Rauter begreift den Platz als Mittelpunkt eines gedachten Kreissegments. Mit dem Kompass wird die Stadt umspannt. Auf diese Weise schwingt etwas vom alten Friedrich-Wilhelm-Platz mit.

Ulla Rauter arbeitet als Medienkünstlerin und Musikerin an der Schnittstelle von Klangkunst und Bildender Kunst. Ihre Werke umfassen performative Skulpturen, musikalische Performances und selbstgebaute Instrumente. So übersetzt sie zum Beispiel die visuellen Reize einer Stadt, etwa der Häuserzeilen mit ihren Fassaden, in der Arbeit FassadenScan in auditive Strukturen. Die Fassaden werden zu Partituren, die im Soundprogramm anhand von Sinusklängen vertont werden. Jedes Gebäude erzeugt sein spezifisches Klangergebnis. Die Veränderungen der Gebäude (z.B. durch Verfall) werden hörbar. Oder sie untersucht die akustischen Pausen der urbanen Geräuschumgebung und macht damit die Klangkulisse der Stadt zur ungeschriebenen Partitur: TACET wirkt als Stille-Detektor: Das Aufscheinen des Schriftzugs markiert als visueller Akzent den Moment der Stille.

Auch die Außenarbeit Stillefänger befasst sich mit dem Geräuschpegel. Die Stillefänger sind Objekte, die eigenständig Stille aufnehmen. Der Recorder beginnt nur unter einer bestimmten Lautstärkenschwelle mit der Aufnahme. Sobald Umgebungsgeräusche die – relative – Stille stören, wird die Aufnahme durch ein Infrarotsignal unterbrochen. Beim Versuch, die Stille einzufangen, entstehen Aufnahmen, die die Akustik des jeweiligen Ortes und die minimalsten Geräusche seiner ruhigen Momente festhalten. Dies geschieht auch bei uns in Braunschweig, wenn die Kompassnadel des Stillekompass am lautesten Ort auf den gerade leisesten weist.

Ulla Rauter wurde 1980 in Wiener Neustadt, Niederösterreich, geboren, studierte Transmediale Kunst an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Im Rahmen des ersten Ö1-Talentestipendiums erhielt sie 2008 einen Förderpreis, 2009 das Arbeitsstipendium des BMWF, 2011 das Startstipendium des BMUKK. 2010 gründete sie mit Christine Schörkhuber die jährliche Hörschau "Klangmanifeste". Seit 2013 ist sie Lehrbeauftragte an der Abteilung Digitale Kunst der Universität für Angewandte Kunst Wien. Sie war 2015 Artist in Residence, Auslandsateliersstipendium des BMUKK, in Rom, 2014 in Norwegen. Arbeiten konnte sie u.a. verwirklichen in MQ Wien, beim Unsafe&Sound Festival, im MAK Wien, beim Festival gegenwärtiger Musik Klagenfurt, Sonic Arts Festival Ljubljana, in Mainz, Dortmund, Trier, Vaduz und Basel.

Stillekompass, 2017, interaktive Installation

Am lautesten Ort der klangstaetten | stadtklaenge 2017, am Friedrich-Wilhelm-Platz, veranlasst uns Ulla Rauter über Laut und Leise nachzudenken, so unsere Umgebung bewusst zu hören und uns zugleich andere Orte vorzustellen. Hier interagiert der Stillekompass über die Entfernung hinweg mit der Akustik der anderen klangstaetten und weiteren historischen Friedhöfen jenseits des Oker-Umflutgrabens. Er zeigt in Echtzeit die Richtung der größten Stille an, verweist damit auf das »stille Anderswo« im städtischen Geräuschgrundpegel. Er zeigt den Ort, an den man sich begeben könnte, um Stille zu erfahren.

Als gedachter Mittelpunkt eines Kreissegmentes verbindet der Kompass den Brüdern-, Martini- und Petrifriedhof, den Kreuz- und Katharinenfriedhof, den Friedhof Hochstraße und den Aegidienkirchhof. Dort wird kontinuierlich die Lautstärke ermittelt. Der Stillekompass erhält über ein mobiles Netzwerk ein Signal, in welcher Richtung die größte Stille liegt. Langsam dreht sich die Nadel dorthin und setzt die sich verändernden Lautstärkepegel in einem »Konkurrenzkampf um die Stille« in Bezug zueinander. Wie der Path of Awaraness 2017 von katrinem reflektiert der Stillekompass von Ulla Rauter die Topographie der Stadt und schließt zugleich den Parcours von klangstaetten | stadtklaenge zu einem Ganzen zusammen.

Wir danken der Braunschweiger Verkehrs-AG und dem Amt Tiefbau und Verkehr für ihre Unterstützung.

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Klang | Kunst | Schule

Termine

Führungen

Für klangstaetten | stadtklaenge 2017 erweitert sich seit einem Jahr kontinuierlich das schon erprobte und vielfältige Vermittlungsangebot des Allgemeinen Konsumvereins an alle Interessierte, an Schulklassen, Lehrkräfte und Vermittler_innen durch Angebote von Workshops, Schulungen, Vorträge und speziellen Führungen.

Klang | Kunst | Schule erfährt eine besondere Intensität:
„Es gibt immer etwas zu hören!“ - „Ich liebe es, wenn es raschelt!“ Wenn junge Lernende ihr Gehör bewusst nutzen und sich intensiv mit Klang beschäftigen, eröffnet sich ihnen eine neue Welt. Sie werden zu aktiven Zuhörern, Sammlerinnen, Archivaren und Erfinderinnen. Klang und Geräusche befähigen sie zum Perspektivwechsel vom Weg- und Überhören zum bewussten Hin-Hören, zum Anders-Hören-Lernen. Dieses Neu-Hören erbringt ein neues Gefühl von sich in der Welt, von sich genau an diesem Ort:
Den Klassenraum als Klangraum begreifen, den Klang der Schritte der Anderen kennen, die eigenen Geräusche merken, die Orte durch ihre Geräusche bestimmen, Atmosphären wahrnehmen und Hörerfahrungen als angenehm, betörend oder Nerv-tötend beschreiben, Materialien auf ihre Klangqualität prüfen – kurz: zu beginnen, mit den Ohren zu denken.

Die Kooperation mit der Realschule Sidonienstraße

An der Grundschule St. Joseph:

Klang Kunst Führungen für Schulklassen

Xavier hat klangstaetten stadtklaenge mit ziemlicher Wucht beendet.
Die historischen Friedhöfe wurden wegen akuter Gefährdung geschlossen.
Wir müssen die geplante Finissage am 8. Oktober absagen.

Allerdings können alle Interessierten am Sonntag um 11.00 und 14.00 an der Gehperformance der Kangkünstlerin katrinem aus Berlin mit Start Allgemeiner Konsumverein teilnehmen.

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Projekttelefon: 0176 80142728 | info@klangstaetten.de
Allgemeiner Konsumverein e. V. | Hinter Liebfrauen 2 | 38100 Braunschweig

Konsumverein

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Der Allgemeine Konsumverein e. V. erhält Kontinuitätsförderung von:

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